Was es für eine Bevölkerung bedeutet, von einer fremden Macht besetzt und in eine letzte Schlacht verwickelt zu werden, kann man in unserer Zeit hautnah erleben (Ukraine, Armenien, Gaza…). Auch das Médoc musste eine Besatzung erdulden: die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Selbstverständlich sind diese Besatzungen unterschiedlich, doch sie führen alle zu mehr oder weniger starken Belastungen, zu Angst und Schrecken, zu Beeinträchtigungen und Qualen sowie zu Gewalt und Grausamkeiten. Davon blieb auch die Bevölkerung des Médoc während des Zweiten Weltkriegs unter deutscher Besatzung nicht verschont.
Mehr als 70 Jahre danach hatten wir die Gelegenheit, einen detaillierten Bericht über diese Zeit aus der Perspektive deutscher Besatzer bis hin zu deren Gefangenschaft zu veröffentlichen: Auszüge aus dem Kriegstagebuch des Obersteuermanns Erwin Kindsgrab. Nun können wir als Gegenstück mit den folgenden Texten die Situation der Bevölkerung eines Ortes dokumentieren, der in dem deutschen Bericht eine zentrale Rolle spielt: Saint-Vivien-de-Médoc.
Diese Texte haben uns die Autoren eines Buches angeboten, das die Geschichte der Jahre 1939 bis 1945 sehr ausführlich darstellt (ausgewählte, zum Teil überarbeitete Textabschnitte). Bis zur letzten Schlacht um das Nord-Médoc war die Situation der überwiegend ländlichen Bevölkerung wahrscheinlich ähnlich wie in anderen vergleichbaren Regionen Frankreichs. Deshalb haben wir vor allem Texte ausgewählt, die in gewisser Weise mit der Schilderung des deutschen Soldaten korrespondieren.
Wir werden sie auf ähnliche Weise präsentieren und Ausschnitte aus dem Buch wählen, die sowohl für französische als auch für deutsche Leser interessant sein können.
Jacqueline Tabuteau/Christian Büttner
Im Folgenden finden Sie Auszüge aus dem Buch von Jean-Émile Le Dorven und Guy Tauzier „Chronique de St Vivien de Médoc sous l’occupation“ (Chronik von St Vivien de Médoc unter der deutschen Besatzung): weiterlesen