Aus Begegnungen, Recherchen und persönlichen Kontakten rund um Médoc actif sind zwei umfangreiche Publikationen hervorgegangen. Beide greifen Themen auf, die bereits auf der Website dokumentiert wurden, und führen sie mit Interviews, Erinnerungen und historischen Quellen weiter.
Das Paradies ist noch nicht ausverkauft
Das zweisprachige Buch versammelt elf Interview-Geschichten über Deutsche im Médoc und Franzosen mit deutschen Wurzeln. Es erzählt von sehr unterschiedlichen Wegen in die Region: vom Ferienaufenthalt über die Liebe zu Frankreich bis zur bewussten Entscheidung, hier zu leben und zu arbeiten.
Im Editorial formuliert das Team seine zentrale Frage:
„Wir selbst fühlen uns […] mit dieser Region verbunden und wollten wissen, wie es anderen Deutschen geht, die sich im Médoc niedergelassen haben.“
Die Gespräche handeln vom Ankommen und Bleiben, vom Erlernen der französischen Sprache, von alltäglichen kulturellen Unterschieden und von der Integration in das regionale Leben. Zugleich kommen Nachkommen deutscher Kriegsgefangener zu Wort, deren Familiengeschichten Frankreich und Deutschland auf besondere Weise miteinander verbinden. Warum Menschen dem Médoc dauerhaft verbunden bleiben, fasst Barbara Jany in wenigen Worten zusammen:
„Wir lieben es hier! Den Geruch, die Stille, den Wein und das Essen.“
Deutsche Kriegsgefangene im Médoc
Die Publikation dokumentiert das Schicksal deutscher Kriegsgefangener, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Médoc festgehalten und unter anderem zur Minenräumung sowie zu Arbeiten in Landwirtschaft und Wiederaufbau eingesetzt wurden.
Ausgangspunkt waren Anfragen von Söhnen und Töchtern ehemaliger deutscher Soldaten. Gemeinsam mit französischen und deutschen Unterstützern sammelte die Arbeitsgruppe von Médoc actif Dokumente, Fotografien, Briefe, Tagebuchauszüge und Erinnerungen. Wie schnell diese Geschichte aus dem öffentlichen Gedächtnis verschwand, beschreibt die Publikation mit den Worten:
„[…] hat sich die Erinnerung daran bis auf punktuelle Spuren verflüchtigt.“
Die Spurensuche führte in Gemeindearchive, zu ehemaligen Arbeitsstätten und zu Familien, bei denen Gefangene gelebt hatten. Besonders eindrücklich sind die persönlichen Zeugnisse über Hunger, Lagerleben, Minenräumung und die langen Fußwege zu den Einsatzorten:
„Jeden Morgen sind die PGs zu Fuß von Saint Vivien zum Strand von Montalivet und zurückgelaufen.“
Die Monographie verbindet historische Einordnung mit einzelnen Lebensgeschichten. Sie berichtet von Männern, die nach Deutschland zurückkehrten, ebenso wie von ehemaligen Gefangenen, die im Médoc blieben, Familien gründeten und Teil der regionalen Gesellschaft wurden.