Misa Tango: ein begnadeter Moment

 

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Misa Tango

Am Ende dieses Sonntagnachmittags im März 2017 eilte ich zum Platz der Kirche Notre-Dame von Lesparre : An diesem Abend sollte ein Werk des Komponisten Martin Palmeri unter der Leitung von Anne Fontana zur Aufführung kommen, die Misa a Buenos Aires, auch als Tango-Messe bekannt. Als ich ankam, war die Kirche schon gut gefüllt und ich traf dort einen meiner Freunde, die Sänger beim Chor Ariana-Médoc sind.

Die Sängerinnen und Sänger dieses Chores hatten diese Messe einstudiert, die wahrlich eine Tango-Messe ist: 1996 im Stil des Tango Nuevo komponiert, der von Astor Piazzola in den sechziger Jahren begründet worden war. Am Anfang des Konzertes kamen auch einige Stücke von ihm zu Gehör, gespielt von France Desneulin und dem Orchester Passion Tango, unter anderem der berühmte Libertango.

Schon da schwebten die betörenden Klänge des Bandoneons, gespielt von Gilberto Pereyra, durch den Kirchenraum und ergaben einen Widerhall, der die Zuhörer ergriff.

Aber dann das Eigentliche : die Messe. Da waren denn auch alle Teile einer traditionellen lateinischen Messe vorhanden, vom Kyrie bis zum Agnus Dei ; nur dass der argentinische Komponist sie nach seiner Art arrangiert hatte, indem er eine Notierung für Chor, Streichorchester, Klavier und Bandoneon verfasste.

Die ersten Klänge des Kyrie erhoben sich zum Kirchenhimmel, bestärkt durch die mitreißenden Klänge des Bandoneons, alles herrlich akzentuiert durch das Klavier und das Streichorchester (Violine, Bratsche, Cello und Kontrabass) : was für ein Ohrenschmaus !

Dann kommt das Gloria, bei dem wir die Mezzo-Sopranistin Eugénie Danglade erleben, deren tiefe und liebliche Stimme sich bis zu den ältesten Steinen des Kirchenbauwerkes hochschwingt.

Das setzt sich 40 Minuten lang so fort, die einzelnen Teile folgen aufeinander in einem tänzelnden und hinreißenden Rhythmus, sie klingen in den neogothischen Gewölben nach und lassen uns in eine tiefe Ergriffenheit eintauchen.

Und man fragt sich bedauernd : Das ist schon das Ende? Donnernder Applaus folgt nach, dann eine Reprise, die Anne Fontana dem Publikum gönnt.

Dank an die Freunde, die mich eingeladen haben, sie im Chor singen zu hören. Es war mir ein großes Vergnügen, diesen herrlichen Augenblick in eurer Gesellschaft zu verbringen, ein zauberhafter Moment.

Und ich erinnere daran, dass sich dieser Zauber neu entfaltet, und zwar am 2. Juni in Soulac

Isabelle Cabirol (Lesparre-Médoc), Übersetzung: Christian Büttner/Elke Schwichtenberg