Ziel war der älteste Leuchtturm Frankreichs „Phare de Cordouan“, der vor der breiten Girondemündung sieben Kilometer vom Festland entfernt mitten im Meer steht. Als er aufgegeben werden sollte, gründete sich 1981 ein Verein zur Erhaltung des monumentalen Bauwerkes. In mühsamer Überzeugungsarbeit erreichten die Freunde des Leuchtturms ihr Ziel. Seitdem kommen jährlich tausende von Besuchern. Auch jetzt stellte der Staat wieder erhebliche Mittel zur Renovierung zur Verfügung.
Vor fünf Jahren sind wir dem Verein beigetreten. Für die Mitglieder wird jährlich ein Tag auf dem Turm organisiert. So waren gestern 72 Teilnehmer auf dem Schiff, das in halbstündiger Fahrt den weißen 67,5 Meter hohen Leuchtturm ansteuerte, der im Sonnenschein erstrahlte. Sein Licht ist nachts bis zu 40 Kilometer weit zu sehen.
Während normale Besucher sich nur kurz in der Ebbezeit auf der kleinen Felseninsel aufhalten können, erleben die Vereinsmitglieder auch die Zeit der Flut. Dann liegt die Eingangspforte unter dem Meeresspiegel und es gibt keine Möglichkeit herein- oder herauszukommen. Nach der Begrüßung durch den sympathischen Präsidenten Jean-Marie Calbet, mit Frau und Sohn unter den Gästen, wird ein abwechslungsreiches Programm geboten.
Exklusiv für die Vereinsmitglieder werden auch alle Ecken und Winkel des Turms gezeigt. Bis zum Leuchtfeuer in der 6. Etage sind es 311 Stufen. Ein herrlicher Rundblick sowohl über das Meer als auch bis zum Seebad Royan auf der einen Seite der Gironde und zur Halbinsel des Médoc auf der anderen Seite belohnte den Aufstieg.
Zum kulinarischen Hochgenuss entwickelte sich das Mittagessen. Da es im Turm keine Bewirtschaftung gibt, hat jeder Teilnehmer Speisen mitgebracht. Auf langen Tischen ausgebreitet konnte sich jeder bedienen. Klar, dass alle mit besonderen Köstlichkeiten in reichlichen Maßen wetteiferten. Eine solche Vielfalt kann das beste Hotel nicht bieten. Zum Dessert präsentierte Erika einen Mohnstollen. „Pavot“ auf französisch genannt. Auf das Erzeugnis der einzigen Deutschen unter den Teilnehmern war man besonders neugierig. Im Nu verschwand es auf vielen Tellern. Dass es Anklang fand, äußerte sich in dem Beifall einer Gruppe, die Erika als „Madame Pavot“ beklatschte. Zu den Mahlzeiten hatte der Verein mengenweise Wein und Wasser und abends noch Austern beigesteuert. Verständlich, dass angesichts dieser Fülle allgemein über das Hungergefühl hinaus konsumiert wurde.
Musikstücke und Konzerte, in der Kapelle veranstaltet, waren in allen Etagen zu hören, weil es jeweils in der Mitte eine große Öffnung gibt, durch die früher Material bis oben heraufgezogen wurde. Außerdem waren die fast 12 Stunden am Turm, für uns leider unverständlich, mit Vorträgen ausgefüllt. Wäre das schön, wenn es mindestens in Europa eine einheitliche Sprache gäbe. Aber Langweile empfanden wir zu keiner Zeit.