Tausend und ein Essen

 

carte

roman familial 1

roman familial 2

roman familial 3

roman familial 4

roman familial 5

roman familial 6

Es war einmal ein Ort im Médoc, der immer noch Cissac heißt, wo eine sehr große Anzahl Hungriger vorbeikam nach langen Kilometern ermüdenden Laufs und die daher Anspruch hatten auf die Barmherzigkeit ihrer Mitbürger. Und die beschlossen, denen zu essen zu geben, die Hunger hatten. Der einstimmig von den Einwohnern der genannten Gemeinde gefasste Beschluss schien unproblematisch zu sein bis zu dem Moment, als man diejenigen zählte, die zu essen begehrten. Nachdem man gezählt hatte, musste man sich eingestehen, dass das geplante Unternehmen alles übertraf, was bis zu diesem Tage in der Gemeinde gemacht worden war. Jemand, man weiß nicht mehr wer, sagte gar, man müsse eingestehen, dass es unmöglich sei, das geplante Projekt zu verwirklichen. Danach folgten ein paar Sekunden enttäuschter Stille und eine entschlossene Stimme, die an ein Wort Napoleons erinnerte: „Unmöglich ist nicht französisch“.

Und er fuhr fort: „Es gibt Vereine in unserer Gemeinde, die darauf brennen zu zeigen, wozu sie fähig sind. Geben wir ihnen die Chance, es zu zeigen.“

Und man gab sie ihnen. Mit bemerkenswerten Ergebnissen. Die Vereine mobilisierten uns, die Mitglieder und wir machten uns ans Werk. Wir bereiteten in einer höchst entspannten Atmosphäre zunächst 1001 Vorspeisen für die Mahlzeit. Und das in Rekordzeit. Wir fingen kurz nach 8.00 Uhr am Morgen an und wenig nach 10.00 Uhr waren wir schon fertig. Und für alles, was man sonst noch brauchte, ging es ungefähr genauso. Nachdem wir die Vorspeisen bereitet hatten, waren die Grillexperten an der Reihe, die Feuer anzündeten, die nach einiger Zeit die Glut für die Grills lieferten. Gegen Mittag erwarteten wir mit Ungeduld die Ankunft derer, für die wir alles das unternommen hatten. Schließlich kamen sie, erst in kleinen Gruppen, dann in großer Zahl. Lächelnd gaben wir ihnen zu essen und zu trinken, dabei zeigten sich die ehrenamtlichen Helfer, die alles das zubereitet hatten, in großer Form. Am Ende gab es niemanden mehr, der Hunger hatte, aber eine große Zahl Freiwilliger, manchmal etwas müde, aber zufrieden mit dem, was man geschafft hatte. Und schließlich stellte man einmal mehr fest, dass man stark ist, wenn alle an einem Strang ziehen.

Ulrich Marwedel (Grayan)