Mit Médoc Culturel und Lyricolor beim Dichterfrühling

 

carte

Wie es mir so oft passiert: Ich sehe einen Aushang, denke "Das muss ich mir merken" und schon kommen andere Dinge in die Quere. So ging es mir mit dem Termin am 19. März "Printemps des Poètes". Aber es gibt ja den Zufall. Zwei Tage später treffe ich im Eingangsbereich des Supermarktes Gérald Tron, der als Maler in der Region bekannt ist und kürzlich mit Freunden den Verein Médoc Culturel gegründet hat. Er lädt mich nochmals extra zu diesem Termin ein. Also ziehe ich mich am Veranstaltungstag "gut" an und fahre los in einen mir bis dahin unbekannten Ort (Saint-Germain d'Esteuil). Ich wusste nur, es ist bei der Kirche, die ja in den Ortschaften des Médoc immer weithin sichtbar ist. Schon waren auch mehrere Personen zu sehen, die ähnlich "gut" angezogen waren wie ich und zu einem Gebäude neben der Kirche gingen. Also brauchte ich ihnen nur nachzulaufen. Es war noch recht früh, und so war genug Zeit, den Raum und die Kunstausstellung anzuschauen. Zum Konzert ging es dann in den ersten Stock, wo sich zwei Musiker um ihre Instrumente kümmerten.

Mit ein wenig Verspätung erschien die angesagte, sehr sympathische Künstlerin, die während der 1 1/2 stündigen Veranstaltung ihre poetischen Texte in drei Sprachen (Französisch, Englisch, Deutsch) vortrug, untermalt mit der Musik des Flötisten und Cellisten.

Alle drei strahlten Freude und Zuversicht aus, die mich Japan, Libyen und das arrogante Geschwätz so mancher Politiker vergessen ließen. Schön, dass es Kunst gibt, die das bewirken kann.

Noch eine kleine Bemerkung nebenbei: Beim Verlassen des Gebäudes fiel mir die Pizzeria auf, die sich gegenüber der Kirche befindet. Dort sah alles noch ein wenig unfertig aus, wahrscheinlich erst kürzlich eröffnet. Innen werkelte ein junger Mann, ansonsten war es leer. An dem Haus prangte das Schild "Poste Office". Ist es nun die Post, die Pizza verkauft oder ist es eine Pizzeria, die Briefmarken anbietet? Ich weiß es nicht, aber es hat mir die französische Realität auf dem Lande gezeigt. Und das hat mich beruhigt.

Karin Schwarz (Grayan)