Das Médoc - eine kulturelle Wüste? Mitnichten, wer will, kann z.B. jede Menge Musikveranstaltungen auf hohem und höchstem künstlerischen Niveau miterleben. So wurden 2010 die folgenden Darbietungen (i.F. ein kleiner Ausschnitt) wurden über das gesamte Médoc verstreut angeboten - man musste sich also schon einige Kilometer bewegen:
• • • Im Amadeus-Song gab es mitreißende russische Klänge, es
spielte die Gruppe Davai.
• • • In der imperial wirkenden Umgebung der Chais des Chateau Lafite gab Adam Laloum ein
Klavierkonzert auf höchstem Niveau mit Musik von Franz Schubert und Johannes Brahms (Les Estivales de Musique au Cœur du Médoc).
• • • LM-Jazz bot in
diesem Jahr eine perfekte Sängerin im Stil von Anita O'Day auf (Lo Jay-Serge Moulinier), schade, dass
trotz vieler Werbung die Veranstaltung nur sehr schwach besucht war.
• • • Der Verein
Chant de la Rivière konnte in
diesem Jahr ein Kammermusikkonzert in der pittoresken Scheune der Familie Aubert (Saint Vivien) anbieten.
Dimitri Derat, Lawrence Vaigot, Jean Ruback, Isis Balik und Marc Frisch spielten Werke von Jadin, Mozart
und Bach.
• • • In der Kirche von Saint Yzans hörten wir den Chor
Crescendo, dirigiert von Guy Varennes. Es war ein zauberhaftes Konzert mit tollen Stimmung im Publikum,
très accessible wie unsere holländische Freundin dazu bemerkte.
• • • Das Konzert "Flute invisible" mit Martine March, Xavier Bressy und Nicolas
Piquey, organisiert von La CLE, begann für uns mit einem kleinen Schock - gähnende Leere im Saal des Chåteau Loudenne, wir die
einzigen? Dann doch noch eine kleine Runde, als das Trio (Flöte, Klavier, Gesang) zu spielen anfing,
klassisch zu Beginn, populärer im zweiten Teil des Konzertes.
• • • Dann etwas ganz anderes: das
Reggae Sun Ska-Festival in Saint
Sauveur. Dort trat u. a. der absolute Superstar des Reggae auf, Alpha Blondy. Obwohl das Festival ein
großer Erfolg war (ca 45.000 Besucher), wird noch diskutiert, ob es im nächsten Jahr wieder im
Médoc stattfinden kann. • • • Noch einmal Gesang mit der "Opéra en
duo" organisiert von La CLE, eine Mezzo-Sopranistin (Audrey Kessedjian) und ein Tenor (Julien Dran) im Chåteau Liouner. Opernmusik
ist zwar nicht jedermanns musikalischer Geschmack, aber es war qualitativ einfach umwerfend.
• • • Dann wieder etwas ganz anderes, Fado mit Maria Pereira in Vertheuil (Les Amis de l’Abbatiale et de l’Abbaye de Vertheuil), in der immer wieder beeindruckenden Abteikirche. Am Schluss des Konzertes war das Publikum auf eine
angenehme Weise miteinbezogen, das gemeinsame Singen war ergreifend.
• • • Den Abschluss der Saison (und die Programmpräsentation des
MACM für die kommende Saison) bildete für
uns ein klassisches Konzert im Chateau Beychevelle: Ein Flötentrio (mit Samuel Coles und Céline
Joly) mit einem Zumpe-Klavier, das
einer der Flötisten völlig ramponiert in einer brocante in Bordeaux entdeckt und restauriert hatte. Wir
hörten Stücke von Mozart, Gluck, Haydn und J.C. Bach.
Alles in allem ein ereignisreiches Jahr im Médoc was musikalische Genüsse anbelangt. Vielen Dank an die organisierenden Vereine und ihre ehramtlichen Helfer!