Besuch im écomusée du centre Médoc in Vertheuil

 

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Vor einigen Sommern sind meine Tochter und ich bei einer Entdeckungsfahrt über das Medoc jenseits von Strand und Wein in Vertheuil gelandet. Dort steht eine beeindruckende Abteikirche, die Zeuge der bewegten Vergangenheit dieses Örtchens ist. Schräg gegenüber des Kirchenportals lockt an einer Hauswand ein hölzernes Schild mit aufgemalten Buchstaben zum Eingang des „Le Garde-Mémoire, écomusée du Centre Médoc“, einem Heimatmuseum.

Dieses Museum, das 2004 von seinen Erschaffern Alain Tandille und Jean Paul Aso mit beachtlicher Begeisterung, bemerkenswerten Fachkenntnissen und enormem Eifer ausgestattet wurde, zeigt in elf Räumen, einem Stall und dem Garten, wie die einfachen Menschen auf dem Médoc in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lebten und arbeiteten.

Monsieur Alain Tandille führte uns damals durch die Sammlung. Seine Freude über all die zahlreichen Dinge, die die beschwerlichen Lebensbedingungen zwischen 1900 und 1950 beweisen, riss auch uns beide mit. Die Ausstellungsstücke veranschaulichen besser als jeder Film, wie körperlich anstrengend das Leben war, als Stromversorgung und fließend Wasser im ländlichen Haushalt nur selten installiert waren.

Auch heute noch dürfen Besucher des écomusée die schweren Werkzeuge, die die Küfer benutzten, um die Fassdauben einzupassen, selbst in der Hand wiegen und Hämmer anheben, mit denen Steinmetze den hiesigen Sandstein auf Baustellen bearbeiteten.

Der Nachttopf unter dem Bett im Elternschlafzimmer bezeugt die nächtliche Handhabung menschlicher Bedürfnisse vor den Zeiten des Badezimmers. Bei der Führung bleibt nicht unerwähnt, dass in einem Kinderbett selbstverständlich mehrere Geschwister schliefen. Im Küchenkamin wartet ein Bratspieß mit aufziehbarer Drehmechanik scheinbar immer noch auf die Jagdbeute des Hausherrn und unter dem Spülbecken – ohne Wasserkran – stehen Eimer, um Wasser vom Brunnen im Hof herein schleppen zu können.

Die diesjährige Sommerausstellung „Outils du Jardin“ stellt Gartengeräte der Region vor. Die beiden Museumsgründer haben mit der ihnen eigenen Gründlichkeit Werkzeuge zusammengetragen, die ihre Gartenarbeit erleichtern sollten.

Besonders gut gefallen mir die dekorativen „Taschenambosse“, mit denen Mäher ihre Sensen regelmäßig auf dem Feld dengelten und allerlei „Spezialanfertigungen“ wie beispielsweise der flachgeklopfte Suppenlöffel zur Schippen- und Hackenreinigung nach getaner Arbeit und der selbstgebastelte Samenreihen-Markierungsrechen, der zu gewährleisten hilft, sechs gleichmäßig parallele Reihen für Saatkörner und Pflänzchen zu ziehen.

Heide Hardt (Ruhrstadt)