Hauptpersonen Roger und Roger

 

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Aero Club von Saint-Laurent- Médoc, Flugplatz Centre Médoc : Eindrücke eines Ultraleichtflugschülers …. Schubhebel nach vorn und schon geht’s los, volle Kiste ! Die Graspiste fliegt dahin und konzentriert behalte ich das Ende der Startbahn im Auge, kneife die Hinternbacken zusammmen, Füsse etwas nervös auf dem Seitenruderpedal, im Ohr die beruhigende Stimme von Roger, in olympischer Gelassenheit …

Es ist nicht das erste Mal, dass ich den Knüppel in der Hand halte, aber nur hin und wieder hatte ich die Gelegenheit, meinen Jungentraum umzusetzen : wenn man das nötige Kleingeld hat, fehlt es einem an Zeit, und wenn man Zeit dafür hätte kann man sich die dann unerschwinglichen Flugstunden nicht leisten. Auf diese Tour bin ich drei Jahre lang Flugschüler geblieben, mit Flugstunden wann immer ich mir welche erlauben konnte. Und jedes Mal wenn ich endlich die Stunden voll hatte um allein fliegen und meine Lizenz angehen zu können – vorausgesetzt die Theorie zieht mit ! – gab es irgendwelche Komplikationen im persönlichen oder beruflichen Leben, die mir buchstäblich die Flügel kappten.

Jetzt habe ich etwas mehr Zeit, wenn auch nur mässig Geld, Flugzeugstunden wären für mich immer noch unbezahlbar, aber glücklicherweise gibt es Ultraleichtflieger und damit wird’s nicht nur billiger sondern geradezu machbar. Der Schulungs-Ultraleichtflieger GI in Saint-Laurent-Médoc kann sich auch durchaus neben anderen Flugzeugen sehen lassen. Sie lesen richtig : es ist ein richtiges kleines Flugzeug, man fliegt es wie ein grosses und es erbringt erstaunliche Leistungen mit guter Flugstabilität, feinen Einstellungen und einer Fluggeschwindigkeit von immerhin achzig Knoten.

Jetzt, mit Mitte sechzig, bin ich etwas ruhiger geworden und meine Träume von grossen Reisen im eigenen Flieger gehören längst der Vergangenheit an, genauso wie der Fantasmus, einen Rafale-Jäger zu fliegen. Das verschieben wir lieber auf ein zukünftiges Leben. Im Ultraleichtflieger habe ich Musse, die Landschaft zu betrachten oder im Flug über mein Anwesen Fotos zu machen, während Roger den Knüppel hält, eine Sicht auf den See von Hourtin zu geniessen wie ihn die Süsswassermatrosen von Piqueyrot nie sehen werden, die Armen !

Ich schwebe im siebten Himmel, auf Engelsflügeln, bin mit den Engeln auf Du auch wenn ich vielleicht nicht so schnell fliege wie sie ! Es gibt nichts schöneres als ULs um sich von einem Ende des Himmels zum andern zu bewegen ! Perfektionnisten, die mit nichts und niemand zufrieden sind, finden dass ULs eher als rudimentäre Fluguntersätze bezeichnet werden sollten, denen es allzusehr an Technik und Instrumenten mangelt. Aber ich geniesse es, in Körperkontakt mit der Maschine den Luftraum zu erleben, ein unbeschreibliches Gefühl von Freiheit. Freude am Fliegen.

Nicht zu vergessen Roger. Roger Ricard. Man kann ihn nicht verpassen, er ist unverwechselbar : zwei leuchtende Augen über einem beeindruckenden Schnäuzer wie von einem RAF Piloten, very british, Stil Kampf über England. Keine Sorge, er ist schon etwas jünger …. Ehemaliger Jagdflieger und militärischer Ausbilder der alles bis ins Kleinste meisterlich beherrscht, einen besseren Fluglehrer kann man sich nicht erträumen. Anders ausgedrückt : ich bin gar nicht scharf darauf, meinen ersten Soloflug anzutreten, Fliegen mit ihm ist einfach umwerfend !

Seid ihr zwischen sieben und hundertsieben Jahre jung ? Kitzelt’s Euch, es auch einmal zu versuchen ? Genehmigt Euch zumindest einen Rundflug, mehr braucht es nicht zu sein. Einen Jungfern-UL-Flug und mehr, wenn’s Euch gefällt, das ist das wenigste und weder verlorene Zeit noch herausgeschmissenes Geld. Kommt mir nicht mit dem Vorwand, in Eurem Alter undsoweiter undsofort. Dieses Frühjahr hat der junge Dylan Lacouve zu seinem 15. Geburtstag den UL-Pilotenschein abgelegt. Er hatte mit 12 Jahren begonnen und gehört zu den jüngsten Flugschülern. Der älteste ist, wenn ich richtig verstanden habe, über siebzig !

Mein Papa wurde am 6. Februar neunzig. In den Osterferien hat er sein Geburtstagsgeschenk bekommen : einen Flug mit Roger Ricard im Ultraleichtflieger von Saint-Laurent zum Mündungsfluss Gironde, von Saint Yzans de Médoc an die Landspitze Pointe de Grave, entlang an der Atlantikküste und Seen bis zum Becken von Arcachon und zurück. Meister Roger hat es sich natürlich nicht nehmen lasse, dem alten Roger auch einmal den Knüppel zu überlassen. Wer weiss ? Vielleicht ist dies der Beginn einer neuen Berufung und vielleicht wird Roger frischgebackener Flugschüler bei Roger im Aero Centre-Médoc Saint-Laurent …

Michel Larroche / DLH, Übersertzung: Claudéa Vossbeck-L'Hoëst