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Im Médoc gibt es zahlreiche kulturhistorische Vereine, die sich - meist im Alleingang - u.a. um die Erhaltung von Bauwerken kümmern (Kirchen, Industriebauten, châteaux...), Besichtigungen organisieren oder Inventare von Sehenswürdigkeiten zusammenstellen. Es sind Ehrenamtliche, die ihre Freizeit damit verbringen, den Einheimischen oder Touristen die Erkundung der Region zu erleichtern und zudem Zeugnisse der Geschichte vor der Zerstörung zu bewahren.

Um diese Arbeiten effektiver zu koordinieren, Ressourcen zu bündeln und gemeinsam nach kreativen Lösungen zu suchen, hatten sich unter der Federführung des Vereins Amis des Patrimoines de Lacanau et du Pays Landescot aus Lacanau 7 Vereine zu einem Treffen zusammengefunden. Ein erstes Kennenlernen und Sichten der jeweiligen Problemlagen stand dabei im Mittelpunkt. Am Beispiel der Festung von Blanquefort zeigten sich sehr deutlich die Probleme, mit denen sich die Ehrenamtlichen vor Ort herumschlagen müssen. Marietta Dromain vom Verein GAHBLE erläuterte dazu:

Der Aufgabe, die Festung von Blanquefort zu erhalten, widmen sich etwa 15-20 ehrenamtliche Helfer aus allen Altersgruppen, hauptsächlich aber Jugendliche und Studenten, die sich regelmäßig einmal im Monat sonntags treffen, um die Türme und Befestigungsanlagen von Unkraut und Gestrüpp zu befreien und Bäume zu entfernen. All das per Hand, weil es sich um Privatgelände einer biologischen Viehwirtschaft handelt. Es ist uns verboten, chemische Produkte zu benutzen, die zudem die Steine beschädigen würden.

Eine weitere Aufgabe besteht darin, die Anlage dem Publikum zugänglich zu machen. Inzwischen sind verschiedene Vorbereitungen dazu getroffen worden: eine Holztreppe ermöglicht die Besichtigung eines beeindruckenden Saales, zahlreiche Steinblöcke wurden beiseite geräumt, um freie Zugänge zu schaffen, sensible Bereiche sind mit Planen gesichert, die regelmäßig erneuert werden. Letztendlich ist es unser Ziel, die Befestigungsanlage durch kommentierte Führungen und durch Broschüren bekannt zu machen, die von den Ehrenamtlichen und dem Verein erstellt und herausgegeben werden.

Das dient den Studenten auch dazu, ihren Lebenslauf zu bereichern und sie damit auf der Suche nach Arbeit zu unterstützen. So herrscht unter den Ehrenamtlichen eine herzliche Atmosphäre und jeder Einzelne findet dort seinen Platz.

Unglücklicherweise stehen wir vor zahlreichen Problemen, von denen einige kaum zu bewältigen sind: Eines besteht darin, dass es keine Versicherung für bestimmte Arbeiten über 2 Meter Höhe gibt. Von daher ist es uns unmöglich, Efeu und Brombeergesträuch von den bis zu 14 Meter hohen Befestigungsmauern zu entfernen, Alternativen gibt es nicht. Zusätzlich haben wir Probleme mit Wasserinfiltrationen, die uns mit der Aufgabe belasten, in einem Saal das Wasser auszuschöpfen, um nicht zusehen zu müssen, wie Steine und Mörtel zerbröseln und die Decken absinken. Man müsste den oberen Saal mit einer Abdeckung schützen, aber wir bekamen dazu nicht die Genehmigung des Denkmalschutzamtes. Es untersagt uns auch, Steine, die wir regelmäßig herausbrechen sehen, in die Mauern zurückzusetzen.

Fehlende Mittel sind ein zusätzliches Problem, denn eigentlich ist der Standplatz der Befestigungsanlage Privatgelände. Mit dem Besitzer haben wir einen Kooperationsvertrag, er lässt uns zwar an der Anlage arbeiten, trägt aber seinerseits nichts dazu bei. So war es uns unmöglich, den Steinbogen über einer Tür, der zusammenzubrechen drohte, zu ersetzen und Stützen einzuziehen, die ein Herabfallen verhindern würden. Die DRAC (kulturelle Behörde) hatte uns lediglich zugesagt, ein Viertel der Kosten zu erstatten, zusätzlich wären noch die Kosten für den für Denkmalschutz zuständigen Architekten hinzugekommen.

Es bleibt zu hoffen, dass diesem ersten Treffen der Vereine Taten folgen, die sich in gemeinsamen Projekten, der Bündelung von Ressourcen und wechselseitigen Unterstützungen niederschlagen könnten. Alle Vereine, die sich bei diesem Treffen vorgestellt haben, sind auf weitere Ehrenamtliche angewiesen; so könnte ein kulturelles Angebot in einer Region weiterwachsen, die weithin als kulturelle Wüste bezeichnet wird – also: helfen Sie mit, das kulturelle Niveau unseres Médoc zu heben!

Christian Büttner (Saint-Vivien)