Das château d'Arsac

 

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An jedem Samstag-Nachmittag mache ich einen kleinen Besuch bei dem einzigen Studienkollegen, der mir noch bleibt, die zwei anderen Freunde sind schon vor 14 Jahren verstorben. Er ist noch da, aber in einem traurigen Zustand: er hat fortgeschrittenen Parkinson und frontale Demenz. Er lebt nun in einer medizinischen Einrichtung in Arsac, etwa 14 Kilometer vom Zentrum von Taillan entfernt, wo er sein Haus hat und ich meines. Die meisten seiner Freunde lassen sich nicht mehr blicken, als regelmäßige Besucher hat er nur noch seine Frau und mich.

Auf dem Weg nach Arsac komme ich an einem château vorbei, das neun Jahrhunderte Geschichte aufweist. Es war eine Ruine und wurde im Jahr 1986 von seinem neuen Besitzer renoviert. Eine wunderschöne Baum-Allee beginnt an der Straße, von der aus ich auf das Schloss zufahre. Einfahrsperren verhindern den Zugang mit dem Auto, nicht aber den Weg zu Fuß. Vorwärts also! Und das bedauere ich nicht, das château spiegelt sich in einem Wasserbecken wie auf dem Place de la Bourse in Bordeaux. Wer hat hier wen kopiert?

Da wir uns im Médoc befinden, ist das château natürlich ein Weingut, es wurde im 12. Jahrhundert gegründet. Es ist aber auch ein Ort, offen für künstlerische Kreationen. Und das hat etwas ungewöhnlich angefangen. 1988, als die Renovierungsarbeiten im vollem Gange waren, besuchten die Direktorin der Peter-Stuyvesant-Stiftung und der Direktor von Stuyvesant-France das Schloss. Seit den 60er Jahren hat dieses Zigaretten-Unternehmen eine Sammlung zeitgenössischer Kunst aufgebaut mit dem Ziel, sie in ihren Fabriken zu präsentieren, um den Arbeitern dort ästhetisch-emotionale Anregungen zu geben. Was aber wollten die Vertreter einer Zigarettenmarke im château d‘Arsac?

Der Weinkeller des château interessiert viele Besucher. Es wurde eine Vereinbarung getroffen und ein Jahr später fand eine erste Ausstellung unter dem Titel „Abenteuer in der Kunst“ statt. Ausgestellt wurden Arbeiten von Niki Saint Phalle, Robert Indiana und Karel Appel. Das war ein erster Versuch und am Ende der Ausstellung wurden die Werke in die Niederlande zurückgegeben. Und … alle Schloss-Anwohner fühlten sich wie Waisenkinder. Hatte das Schloss seine Seele verloren? (Quelle: Text des Schloss-Eigentümers)

Seit 1990 nun findet jedes Jahr eine Sommer-Ausstellung im Weinkeller und im Außengelände statt. So entstand auch der Skulpturengarten. Ich stelle hier drei Skulpturen vor, die sich um das Metier des Weinbaus ranken: als erstes der rote Topf, der das Wissen und Können der Winzer repräsentiert. Dann der Mensch, der die Wolken prüft und damit die Bedeutung des Wetters für den Winzer hervorhebt. Schließlich der Daumen, der die unabdingbare Präsenz des Menschen symbolisiert.

Was den Wein als Produkt des châteaus anbelangt: die Weine des chateau d’Arsac gehören zu der berühmten appellation Margaux. Auf Ihre Gesundheit!!!

Simone Casabon (Le Taillan), Übersetzung: Christian Büttner/Elke Schwichtenberg