Fado in Vertheuil

 

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Die August-Abendsonne überzog Vertheuil mit goldenem Licht. Immer mehr PKW suchten einen Abstellplatz in dem kleinen Ort, der ansonsten von dörflicher Ruhe geprägt ist. Es gibt nur noch vorbestellte Tische im „V“, dem Restaurant gegenüber der Abteikirche. An diesem Freitag dem 13., gab die portugiesische Sängerin, Maria Pereira, ein Fado-Konzert und viele, viele, waren gekommen, sie zu sehen und ihr zuzuhören. Nur wenige Plätze hinter dem antiken Taufbecken blieben frei.

Es war für mich das erste Mal, dass ich Fadolieder live vorgetragen hörte. Michèle Morlan-Tardat, Präsidentin der „Amis de l’abbaye“, sagte in ihrer kurzen Ansprache, dieses Genre würde auch gerne als der „portugiesische Blues" bezeichnet. Mich berührte tief, als sie beschrieb, dass dieser Musikstil einerseits von den Seefahrern angestimmt wurde, die aufs offene Meer fuhren, ohne zu ahnen, ob und wann sie zurück kommen würden und andererseits von den Frauen, die an ihre Männer – Freund, Mann, Vater, Bruder oder Sohn – dachten, die auf fragilen Schiffen über die hohe See verschwunden waren und von denen sie nicht einmal wussten, ob sie überhaupt noch lebten. So bekam der jämmerlich klagende Ton, der typisch für diese Lieder ist, für mich eine ganz andere Dimension.

In Zeiten, als nur wenige lesen und schreiben konnten, die Seeleute nach Sternbildern navigierten, an transkontinentale Kommunikation per Telefon nicht zu denken und die heute allgegenwärtigen Handys unvorstellbar waren, blieb die Ungewissheit der Menschen über das Schicksal ihrer (mehr oder weniger freiwillig) reisenden Liebsten riesengroß und die berechtigten Sorgen und Ängste um ihr Wohlergehen waren zweifellos wesentlich intensiver als heutzutage.

Knapp zwei dutzend Lieder trug Maria Pereira mit ihren Gitarristen vor – Jacques Peteuil an der portugiesischen und Joel Flambard mit einer spanischen Gitarre. Die hellen Steine des frisch renovierten Kirchengemäuers kontrastierten wirkungsvoll mit den schwarz gekleideten Musikern. Die Songs „Confesso“, dessen Aussage mich sehr an Gloria Gaynors „I will survive“ erinnerte und „Senhor Vinho“, einem beschwingten Zwiegespräch zwischen einem Trinker und „Väterchen Wein“ gefielen mir besonders gut, weil sie weniger klagend, ja fast fröhlich waren.

Die einzigartige Atmosphäre in diesem Kirchengebäude und die ergreifende Fado-Musik des Trios waren ein fabelhafter Tagesabschluss.

Heide Harth (Ruhrstadt)