Hochöfen im Médoc???

 

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Bei Lacanau, versteckt im tiefen Forst, gibt es tatsächlich noch ein paar Reste einer Hochofenanlage aus dem 19. Jahrhundert: ein beeindruckender, weithin sichtbarer Schornstein, die Grundmauern eines Verwaltungsgebäudes, die Kanalanlagen zum Rückhaltebecken, alles von der Natur fast vollständig überwuchert, verteidigt von abertausend Mücken und Stechginster.

Wenn es Jean Perroteau nicht gäbe, dann würde sich kaum einer um diese Anlage kümmern, auch die aktuelle Besitzerin nicht. Er sammelt alles, was er an Dokumenten finden kann (im Médoc gibt es dazu fast nichts, in den Archiven in Paris ein bisschen...) und er bereitet das, was er gefunden hat, in liebevoll gestalteten Diashows auf.

Also: Bis in die sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts gab es solche Hochöfen zur Eisenschmelze mit benachbarten Schmieden. Das Gestein wurde knapp unter der Erde gefunden, das Eisen herausgeschmolzen und anschließend in den Schmieden weiterverarbeitet. Allerdings war die Gesteinsausbeute im Médoc so gering, dass man später das Ausgangsmaterial von weit her mit kleinen Schienenfahrzeugen und auf Ochsen- und Eselskarren heranschaffte. Die Arbeit war unglaublich verzehrend und gefährlich, selbst Kinder mussten in den Schmieden schuften. Alt konnte man damals nicht werden, die Arbeiter wurden meist gnadenlos ausgebeutet!

Im zwanzigsten Jahrhundert gab es dann bis Anfang der fünfziger Jahre eine modernere Hochofenanlage in Pauillac dort, wo heutzutage das Reggaefestival Sun Ska stattfindet. Auch hier jedoch nur noch vereinzelte Spuren – immerhin.

Es lohnt sich, einem Verein wie Connaissance du Médoc beizutreten, der nicht nur solche Ausflüge organisiert, sondern auch – wie könnte es in Frankreich anders sein – eine gute kulinarische Geselligkeit pflegt. Und der dafür sorgt, dass das Wissen, das solche Menschen wie Jean Perroteau sammeln, nicht im Verborgenen bleibt.

Christian Büttner/Elke Schwichtenberg (Saint Vivien)